Page 3 - NuKlar Nr. 57 - Ausgabe Frühjahr 2020
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Editorial











        Liebe Leserinnen und Leser,

        alles neu, perfekt! Gerade als junger Mensch könnte das der Grund sein, morgens mit
        Schwung die Bettdecke nach hinten zu werfen und aufzustehen. Nicht, weil man jeden
        Tag etwas erreichen will oder muss, aber um bereit zu sein, für
        diese Momente, wo „Neues“ entsteht. Das darf dann ja auch ein
        neuer Gedanke, eine neue Einsicht, ein neuer Raumgewinn sein,
        der mir dann wieder sprichwörtlich die Freude durch die Glieder
        jagen lässt. Und das tut gut, so gut!
        Natürlich sind wir aufgeklärt genug, um manches Neue, welches
        sich aus den begrenzten Ressourcen dieser Welt speist, nicht allzu
        schnell wieder zu erneuern. Hier dürfen, ja müssen wir achtsam
        werden und gute Haushalter für das zukünftige Leben späterer
        Generationen sowie auch natürlich für unser eigenes Portemon-
        naie sein.
        Manchmal komme ich dabei ins Grübeln. Wie viele Geburtstags-
        und Weihnachtsgeschenke, die auch wunderbar neu waren, habe ich eigentlich nicht
        gebraucht? Vielleicht beobachtet man diese Erfahrung erst mit zunehmendem Alter
        öfter. Ich bemerke, wie ich innerlich noch wunderbar mit dem vorhandenen „Material“
        beschäftigt bin, welches ich schon besitze. Natürlich wird mich die Werbung in unseren
        Medien jetzt eines Besseren belehren, denn es gibt immer etwas „Grandioses“, welches
        erst ganz neu erschienen ist. Und ab und an lasse ich mich auch davon verführen. Ich
        habe mich dann gefreut oder war an anderer Stelle wieder enttäuscht, weil die große
        Ankündigung, das Wolkenschloss sich als eine vorbeiziehende Wolke entpuppte. Wir alle
        sind dabei studierende Meteorologen mit einem reichen Erfahrungsschatz und mit der
        Lizenz zum klüger werden.
        Kann man es nicht im Leben auch so formulieren? Das „Neue“ ist oft nur temporär,
        also zeitweilig wichtig, weil wir in Wirklichkeit von den „alten“ Werten leben die da sind:
        Glaube, Liebe, Beziehungen zu Menschen, Freunde, Familie und Gott. Verpassen Sie
        diesen „alten Werten“ immer einen „neuen“ Ausdruck. Es lohnt sich. Ich wünsche es
        Ihnen.


        Mario Schneider
    Titelbild: Andreas Schade     Christliches Stadtmagazin Görlitz      3 NuKlar
        … lebt in Görlitz, ist verheiratet und hat drei Kinder.
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